Nr.46/05 17.11.2005

Klaus-Werner Jonas - die fragwürdige Karriere eines Spitzels


Aus der ,,Roten Fahne" 8/1988 vom 27.Februar 1988, Seite 5

Dieses Bild zeigt den Spitzel des Verfassungsschutzes, Klaus Jonas, mit der ,,Roten Fahne" in der Hand beim Verkauf der Zeitung und widerlegt die Behauptung der ,,Frankfurter Rundschau" am 12.Februar in ihrem Regionalteil, die MLPD habe durch Druck die Mitarbeit von Klaus Jonas erreichen wollen: ,,Wie aus zuverlässigen Informationen hervorgeht, soll der Verfassungsschutz erfolglos versucht haben, Kontakt zu J. aufzunehmen. Auch habe es massiven Druck von der MLPD gegeben, in der Organisation mitzuarbeiten." Wenn der Verfassungsschutz ,,erfolglos" war, mit welchen Motiven sollte dann Jonas den angeblichen Druck der MLPD über ein Jahrzehnt ertragen haben? Bereits vor der Gründung der MLPD war er Mitglied im KABD und RJVD, beides Vorläuferorganisationen der MLPD bzw. des ARBEITERJUGENDVERBANDS/Marxisten-Leninisten. Er war z.B. Delegierter auf dem I. Parteitag der MLPD und zuletzt Ortsleiter der Ortsgruppe Wetzlar. Er war Delegierter auf dem 4. Bezirksdelegiertentag in Hessen.

Die Spitzeltätigkeit wurde in der Öffentlichkeit und unter den Kollegen des Regierungspräsidiums breit bekannt gemacht

Der bundesdeutsche Geheimdienst (,,Verfassungsschutz") versorgt die Medien, die Schulen und die interessierte Öffentlichkeit mit ,,Material" über die MLPD, das er sich durch Ausforschung, Schnüffelei und immer wieder auch durch den Versuch der Spitzelanwerbung zu verschaffen sucht. Dieses schmutzige Geschäft ist bei der MLPD allerdings nicht einfach, weil alle ihre Mitglieder im Rahmen ihrer persönlichen Fähigkeiten und Bedingungen aktiv sind und die Genossinnen und Genossen eine solidarische Kampfgemeinschaft bilden.

Die Enttarnung

Ein spektakulärer Fall und eine peinliche Pleite des Geheimdienstes machte Anfang 1988 Schlagzeilen. Damals hieß es in der ,,Roten Fahne": ,,Am 21.Dezember 1987 ist es gelungen, den Angestellten beim Regierungspräsidium in Gießen, Klaus Jonas, als Spitzel des Verfassungsschutzes zu überführen. Er wurde sofort aus der MLPD ausgeschlossen." (RF 3/88, S.9)

Jonas war beobachtet worden, als er bei einem Treffen im Restaurant ,,Kloster Arnsburg" seinem Kontaktagenten über den Bezirksdelegiertentag in Hessen berichtete. Er legte nach seiner Enttarnung ein schriftliches Geständnis über seine im Juni 1987 begonnene Spitzeltätigkeit ab und musste auch die abstoßenden Einzelheiten zugeben: ,,Für den schändlichen Verrat seiner Genossen, einschließlich dem seiner Frau, wurde er mit Bargeld entlohnt ... Für Dezember hat er eine Sonderzahlung von 1600 DM erwartet. Er brauchte viel Geld, nicht nur für den bestellten Neuwagen. Er brauchte es besonders für sein ekliges Doppelleben. Diverse Prospekte und Anzeigen über Sexclubs und so genannte Fotomodelle sind mit seinen persönlichen Vermerken und Beurteilungen versehen ..." (ebenda)

Die Vertuschung

Natürlich machte die MLPD diesen Fall breit in der Öffentlichkeit bekannt, um die Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung vor diesem Subjekt zu warnen - hatte er sich doch als Teamer der ÖTV zum Beispiel auch für die Betreuung von Jugendlichen gemeldet. Doch ausgerechnet von dieser Gewerkschaft bekam er unerwartete Hilfe: Die ÖTV hatte damals einen ,,Unvereinbarkeitsbeschluss", der die Mitgliedschaft in der MLPD mit Ausschluss ahndete. Der Kreisgeschäftsführer der ÖTV Lahn-Dill, Rainer Friebertshäuser, teilte der Presse mit, dass Jonas eine ,,persönliche Erklärung" abgegeben habe: ,,Er sei kein Mitglied der MLPD und sympathisiere auch nicht mit deren Zielen. Er trete nach wie vor für die satzungsgemäßen Ziele der ÖTV und des DGB ... ein. Er habe keine bewusste aktive Arbeit für den Verfassungsschutz zur Bespitzelung der MLPD gemacht und keine Informationen über die ÖTV und deren Mitglieder an den Verfassungsschutz gegeben." (,,Wetzlarer Neue Zeitung", 12.2.1988)

Mit diesen dreisten Lügen musste es genug sein: Zwar berichteten ,,Frankfurter Rundschau" und ,,taz" noch über den Fall, allerdings wurde dabei die Behauptung in die Welt gesetzt, die MLPD inszeniere einen ,,Rachefeldzug". Danach wurde eine faktische Nachrichtensperre verhängt. Das Regierungspräsidium stellte sich schützend vor seinen Angestellten und sein Pressesprecher Hans Heuser verkündete: ,,Wir haben Order vom Innenministerium, keine Auskünfte zu geben." Jonas wurde krankgeschrieben und auch der Verfassungsschutz hüllte sich in Schweigen. Ein ungeheuerliches Nachspiel sollte es allerdings noch geben: Bärbel Jonas, die von ihrem eigenen Ehemann bespitzelt worden war, wurde wegen Mitgliedschaft in der MLPD aus der Gewerkschaft ÖTV ausgeschlossen!

Die Karriere

Wofür ist ein so verkommenes Element gut, wie soll man ihm für seine Spitzelei gegen die revolutionäre Partei danken und wo kann man ihm eine neue Heimat geben? Der bürgerliche Staat fand eine Lösung und die SPD, die ihn 1988 umgehend aufnahm, half tatkräftig mit!

Wenige Monate nach diesen Ereignissen fand bekanntlich die Öffnung der Berliner Mauer, der Zusammenbruch der DDR und ihre Einverleibung in die BRD statt. Zahlreiche Beamte und sonstiges Personal wurden zum ,,Aufbau Ost" in die Verwaltungen der neuen Bundesländer geschickt. Und wer eignete sich besser, den ,,Ossis" die neue ,,Demokratie" und die Abkehr von der Stasibespitzelung nahe zu bringen, als ein so bewährter Mitarbeiter wie Klaus Jonas?

Zunächst war er vom Gießener Regierungspräsidium, wo er seinen Arbeitskollegen wohl nicht mehr in die Augen schauen konnte, aus der Schusslinie genommen und als Hauptamtsleiter der Gemeinde Weinbach im Landkreis Limburg-Weilburg eingesetzt worden. Doch 1990 ging es ab nach Thüringen: Klaus-Werner Jonas wurde Bürgermeister in Berga/Elster im Landkreis Greiz! Damit war er zunächst einmal dem ,,Rachefeldzug" der MLPD entzogen und konnte gegen über den ahnungslosen Bürgern den Biedermann spielen. Da ihm das so gut gelang, dass er 1994 und 2000 wieder gewählt wurde, kam dann die Krönung seiner Laufbahn: 2002 wurde der Spitzel Klaus-Werner Jonas Mitglied des Deutschen Bundestags für den Wahlkreis 197 (Altenburg-Greiz)! Dort konnte er dann segensreich an Schröders Agenda 2010, den Hartz-Gesetzen und anderen Wohltaten für seine Wähler mitwirken. Als stellvertretendes Mitglied der Versammlung der WEU empfahl er dort noch im Mai 2005 eine Erhöhung der verteidigungsbezogenen Investitionen in Forschung, Technologie und Entwicklung zur Erhöhung der europäischen ,,Operationsführungsfähigkeiten".

Der Karriereknick

Doch sein hinterhältiger Charakter und seine Geldgier brachten ihn erneut zu Fall:
Ihm wurde vorgeworfen, überhöhte Dienstreisekosten abgerechnet und durch zu hohe Kredite Berga überschuldet zu haben. Im Jahr 2002 wurde er deshalb seines Bürgermeisteramtes enthoben. Wegen der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Gera in diesem Zusammenhang wurde Anfang Juli 2004 auch seine Immunität als Bundestagsabgeordneter vorübergehend aufgehoben (http://de.Wikipedia.org/wiki/ Klaus_Werner_Jonas). Die telefonische Nachfrage bei der SPD Thüringen am 7.11. 2005 blieb ohne konkretes Ergebnis: Bei den vorgezogenen Neuwahlen war er nicht mehr angetreten und beim Landesverband war nicht bekannt, was er zurzeit so tut und treibt. Doch nichts ist so fein gesponnen, es kommt doch ans Licht der Sonnen! Oder, wie die ,,Rote Fahne" 1988 schrieb: ,,Einer wie Klaus Jonas, der seine Genossen für Geld verkauft hat, ist der Verachtung preisgegeben. Wer sich zum Verräter hergibt, muß sich über die Folgen im klaren sein. Sein ganzes Leben lang."

(dk)




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