Nr.20/02 16.5.2002

»Ich habe mein Leben lang gekämpft« Festakt zum 10-jährigen Gedenken an Willi Dickhut


Ein interessiertes, begeistertes Publikum - Foto: RF

Stefan Engel - Foto: RF

Eine musikalische Reise durch das Leben Willi Dickhuts - Foto: RF

Gäste aus allen Ländern der Welt sangen in vielen Sprachen die» Internationale« - Foto: RF

Festliche Stimmung herrschte bei den 1300 Besuchern in der Historischen Stadthalle Wuppertal in Engels' Geburtsort Elberfeld. Hier fand am 9. Mai die Großveranstaltung zum 10. Todestag von Willi Dickhut statt. Wuppertals »gute Stube« war ein durchaus passender Rahmen für die festliche Eröffnung der viertägigen Veranstaltungsreihe zu Ehren des Mitbegründers der MLPD, Willi Dickhut.

Nachdem ein Walzer von Chopin vorgetragen wurde, ergriff Stefan Engel, Parteivorsitzender der MLPD, das Wort.

Gleich zu Beginn warf er eine Frage auf, mit der wohl viele Menschen bei der Vorbereitung und Mobilisierung zur Veranstaltung konfrontiert wurden. Betreibt die MLPD nicht auch Personenkult, wenn sie Willi Dickhut ehrt, ein Museum einrichtet? Der Personenkult war eine wesentliche Methode der modernen Revisionisten, um ihren Verrat am Sozialismus zu tarnen, jede Kritik daran zu ersticken und ihr revisionistisches Gift unter Millionen Menschen in den ehemals sozialistischen Ländern zu verbreiten.

Das Bemühen um Wahrhaftigkeit und kritische Auseinandersetzung mit dem Wirken und der Person Willi Dickhuts ist jedoch der schlagende Beweis dafür, dass es sich bei den Jubiläumsfeierlichkeiten nicht um revisionistischen Personenkult, sondern um Lernen von einem vorbildlichen Marxisten-Leninisten handelt. Der MLPD-Vorsitzende: »Die Würdigung des Lebenswerks von Willi Dickhut ist gleichbedeutend mit der Bejahung der Wurzeln, der Geschichte, des besonderen Charakters und der gesellschaftlichen Rolle der MLPD als Partei neuen Typs.«

Stefan Engel machte deutlich, dass Lernen von Willi Dickhut bei jedem Genossen mit der Erlernung der prinzipiellen Kritik und Selbstkritik anfängt. »Dialektische Selbstkritik«, zitierte er Willi Dickhut, »bedeutet Selbstuntersuchung, inwieweit man die dialektische Methode beherrscht, denn alle Fehler und Mängel sind Verstöße gegen die dialektische Methode.« Ausführlich setzte sich Stefan Engel mit dem modernen Revisionismus auseinander, den Willi Dickhut im grundlegenden Zusammenhang mit dem Dogmatismus für den Niedergang der alten kommunistischen Bewegung verantwortlich macht. Stefan Engels Schlussfolgerung: »Ein neuer Aufschwung des Kampfs für den echten Sozialismus erfordert die restlose Klärung der schädlichen Rolle des modernen Revisionismus und die Überwindung der Wirkung des lähmenden modernen Antikommunismus auf das Denken, Fühlen und Handeln der Massen. Dafür schuf Willi Dickhut mit seinem Lebenswerk eine entscheidende Grundlage.«

Der ganze Aufbau der MLPD steht auf dem Gerüst der Arbeit Willi Dickhuts. Er forderte vor der Parteigründung die Ausarbeitung einer allseitigen ideologisch-politischen Linie, die auf die heutigen Bedingungen des Klassenkampfs in Deutschland und in der Welt zugeschnitten ist und alle wesentlichen Fragen, vor denen die revolutionäre Arbeiterbewegung steht, erschöpfend beantwortet. Und er gab sich daran, diese Linie auszuarbeiten. Stefan Engel: »Von Anfang an verstand er unter der theoretischen Arbeit nicht einfach nur ideologische, sondern eine ideologisch-politische Arbeit. Hier geht es um die grundlegende Erkenntnis, dass der Marxismus-Leninismus die Massen nur erfassen und zu einer neuen materiellen Gewalt wird, wenn er mit ihren konkreten politischen Erfahrungen und ihrem Kampf durchdrungen ist. Die Einheit von Theorie und Praxis ist auch bei der theoretischen Arbeit das Grundlegende.«

Von 1969 bis zum Jahr 1988 entstanden so unter Leitung Willi Dickhuts insgesamt 24 Nummern des theoretischen Organs REVOLUTIONÄRER WEG und die revolutionäre Kleinarbeit wurde systematisch entwickelt. Auch für die heute aktuellen Tarifstreiks hat das Werk Willi Dickhuts die entscheidende Ausrichtung gegeben: »Willi Dickhut hat gelehrt, dass sich das Klassenbewusstsein der Arbeiter nur in Verbindung mit gewerkschaftlichen und selbständigen Kämpfen entwickeln kann. Deshalb ist es auch in der heutigen Situation die wichtigste Aufgabe unserer Betriebsgruppen, Kämpfe der Arbeiter und Angestellten auszulösen und höherzuentwickeln. Diese Kämpfe müssen als Schule des Klassenkampfs, als Schule des Kampfs für den Sozialismus und den Aufbau der revolutionären Arbeiterpartei geführt werden. Alles andere ist Reformismus und hat mit einer revolutionären Strategie und Taktik nichts zu tun.«

Dabei ist das Vermächtnis Willi Dickhuts seine These, dass die Partei auf Grundlage der proletarischen Denkweise arbeiten muss. Stefan Engel: »Der Kampf um die Denkweise ist eine grundlegende Aufgabe für die Entwicklung des Klassenbewusstseins der Arbeiter, für den Parteiaufbau und auch für den Aufbau des Sozialismus.«

Und er schloss seine Rede: »Die MLPD wird Willi Dickhut nicht auf einen Sockel heben, damit er sozusagen segensreich über unserer Arbeit schwebt. Wir brauchen Willi Dickhuts Geist mitten unter uns, in der täglichen Kleinarbeit. Wenn wir uns das Lebenswerk von Willi Dickhut zu eigen machen, geht es uns darum, von Willi Dickhut zu lernen, von seiner ungebrochenen Siegenszuversicht, von seiner Massenverbundenheit, von seinem unendlichen Einfallsreichtum, von seiner Zielklarheit, von seiner Systematik, seiner Disziplin und seinem proletarischen Ehrgeiz und Willen, der ihn nie hat untergehen lassen ... Das Gute an Willi Dickhut fand ich immer, dass alles, was er in seinem Leben geleistet hat, nicht Ergebnis eines kaum nachvollziehbaren Wunders war, sondern einer proletarischen Denkweise und eines marxistischen Arbeitsstils, die sich auch jeder von uns zu eigen machen kann. Willi lebte nach der Lebensphilosophie: >Wir als Kommunisten müssen alles können. Wir müssen uns nur dran geben!<«

Mit großer Aufmerksamkeit verfolgten die Zuschauer die oft von Zwischenbeifall unterbrochene Rede Stefan Engels.

»Mir ist klar geworden, warum der Sozialismus der einzig mögliche, nächste Schritt vorwärts sein muss und warum wir alle dafür eine riesige Verantwortung haben. Obwohl die Rede für mich viele neue Fragen aufgeworfen hat, konnte ich doch alles nachvollziehen«, so eine Kollegin, die zum ersten Mal auf einer MLPD-Veranstaltung war. Jeder im Saal spürte deutlich, welch große Bedeutung die weltweite Verbreitung der Werke von Willi Dickhut hat, was auch in der Spendensammlung zum Ausdruck kam. 5134 Euro kamen für die Übersetzungsarbeit zusammen.

Eine Sprecherin der Verbandsleitung des REBELL, der Jugendorganisation der MLPD, ging in ihrer Rede darauf ein, was Willi Dickhut als Vorbild für die Jugend bedeutet. Danach wurde die Festveranstaltung fortgesetzt mit den Grußworten der offiziellen ausländischen Gäste von Argentinien über Nepal und Russland bis Südafrika, um nur einige zu nennen. In bewegenden Worten schilderten sie, welchen Rang sie Willi Dickhuts Vermächtnis bei ihrem Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung und für den echten Sozialismus einräumen. Eine »Musikalische Reise durch das Leben von Willi Dickhut« vom Ruhrchor mit seinem Lebenslauf, traditionellen und internationalen Liedern der Arbeiterbewegung und die in vielen Sprachen gesungene Internationale rundeten das Programm der Feier ab, die bei den Besuchern tiefen Eindruck hinterließ. Willi Dickhut hätte seine Freude daran gehabt! Bleibt noch zu erwähnen, dass auch das Rahmenprogramm außerhalb des Festsaals eindrucksvoll und informativ gestaltet war. (gd)

Ilka (29), aus Eisenach: »Mich hat besonders das Buch von Willi, die >Restauration des Kapitalismus in der Sowjetunion<, beeindruckt. Das war das erste Buch, das ich von ihm gelesen habe. Ich war ganz begeistert. Ich gehe auch auf das Seminar und bin schon ganz gespannt darauf, umfassend sein Lebenswerk kennen zu lernen.«

Yasar (21): »Ich bin das erste Mal hier und es hat mir sehr gut gefallen. Vor allem, dass wir international denken müssen. Denn ich bin Kurde und finde sehr gut, was Stefan Engel gesagt hat.«

Mathias (34), aus Bremen: »Mir hat es sehr gut gefallen. Es war eine ganz tolle Gedenkveranstaltung und ich habe wirklich sehr viel gelernt, über Willi Dickhut und wie er auch heute noch für die Arbeiterbewegung, auch international, Bedeutung hat.«

Lars (18), aus Eisenhüttenstadt: »Besonders interessant fand ich jetzt am Schluss den Auftritt der internationalen Gäste. Und wirklich beeindruckend war die Rede von Stefan Engel. Am Anfang wusste ich nichts von Willi Dickhut und jetzt durch die Studientage in der Partei habe ich schon einiges mitbekommen und bin beeindruckt von seinem Willen. Ich habe den Reader studiert und studiere noch. Die Reihe REVOLUTIONÄRER WEG habe ich mir gekauft und die wird dann als nächstes dran sein.«




[Homepage] [eMail] [Über die MLPD] [Stellungnahmen] [English Version] [Gruppen, Initiativen, Organisationen] [Dokumente] [Jugendverband Rebell] [Internationales]