Nr.15/03 10.4.2003

"Der Urknall hat nicht stattgefunden. Der Kosmos lebt ewig" Interview zum Urknall mit dem Physiker und P.M.-Redakteur Peter Ripota


Urknall mit Gott. Die Urknalltheorie, nach der das ganze Universum aus dem Nichts entstanden sei, stellt eine moderne Schöpfungsgeschichte dar. So ist es auch sicher kein Zufall, dass der Urknall als erstes von einem belgischen Pater (Abbé Georges Lemaître) ausgedacht und mathematisch berechnet wurde.

Der Spiralnebel ESO 269-57 ist eine von vielen tausend Galaxien im Sternbild Centaurus. Je größer die Entfernung von unserem Sonnensystem, desto größer soll die Geschwindigkeit sein, mit der diese sich von uns entfernen? In solche unlösbaren Widersprüche verstricken sich die Theoretiker des Urknalls.

Die moderne revolutionäre Technik wie das Weltraumteleskop Hubble haben die Wissenschaft mit immer neuen Daten und Bildern versorgt und die "Urknalltheorie" in eine tiefe Krise gestürzt. Dieser Theorie zufolge soll das ganze Universum in einem großen Knall aus dem Nichts entstanden sein. Schon vor über 60 Jahren hatte der Arbeitertheoretiker und Marxist-Leninist Willi Dickhut in seiner Studie "Materialistische Dialektik und bürgerliche Naturwissenschaft" dies als bürgerliche Weltanschauung inmitten der Wissenschaft gekennzeichnet.1 Doch nach wie vor herrscht die "Urknalltheorie" in der bürgerlichen Wissenschaft vor und wird in der Regel über die Massenmedien systematisch verbreitet. Umso überraschender war es, als das bekannte "P.M.-Magazin" ("P.M. - Peter Moosleitners interessantes Magazin", eine populäre Wissenschaftszeitung) in seiner Ausgabe 11/2001 im Titelthema seinen Lesern das Weltbild eines Kosmos darlegte, der ewig existiert in Raum und Zeit. Die "Rote Fahne" hat hierzu den P.M.-Redakteur und Verfasser dieses Artikels, den Physiker Peter Ripota, interviewt.

Herr Ripota, welches sind die wichtigsten Argumente gegen den Urknall?

Das erste und wichtigste Argument ist: Wie kann aus dem Nichts in einem Augenblick etwas so Gewaltiges wie das gesamte Universum entstehen? Das widerspricht allen Prinzipien und Gesetzen der Physik, ganz besonders dem Energieerhaltungssatz.2

Zweitens: Wieso ist die Welt so gleichförmig? Jede zufällige Unregelmäßigkeit in der Verteilung am Beginn der Explosion müsste sich im Lauf der Zeit ungeheuer verstärken. Die Welt müsste dann aus überdimensionalen Materieklumpen bestehen, die inzwischen alle zu gigantischen "Schwarzen Löchern" zusammengefallen sein müssten. Auch die Theorie von der "kosmischen Inflation"3 bringt nichts, denn sie ist nach allen Formeln der Physik absolut unmöglich: Keine Masse kann auch nur annähernd Lichtgeschwindigkeit erreichen, geschweige diese milliardenfach überschreiten!

Drittens: Warum nimmt die Explosionsgeschwindigkeit mit der Entfernung zu? Bei jeder Explosion nimmt die Kraft, welche die Teile ursprünglich weggeschleudert hat, allmählich ab und die Teilchen werden langsamer. Beim Urknall war es angeblich genau umgekehrt: Je weiter ein Teilchen (eine Galaxis) vom Explosionsherd entfernt ist, desto schneller wird sie. Aber: Woher nimmt sie denn die Energie dafür?

Viertens: Wieso sind die ältesten Sterne älter als unser Universum? In den Kugelsternhaufen um die Galaxien finden sich die ältesten Sterne, über 15 Milliarden Jahre alt, älter als der gesamte Kosmos!

Die Kritik am Urknall vergleichen Sie mit dem Ketzertum eines Giordano Bruno gegen die katholische Kirche. Warum wird von der herrschenden Kosmologie am Urknall festgehalten?

Vermutlich, weil die moderne Wissenschaft ähnlich organisiert ist wie die katholische Kirche. Es gibt zwar keinen Papst, dafür aber Heilige (z.B. Einstein oder Hawking) und vor allem eine "Glaubenskongregation" (sprich: Inquisition) - das sind die Herausgeber der renommierten Wissenschaftsblätter.

Als Beispiel hierfür ein Zitat des langjährigen "Nature"-Herausgebers (das ist die angesehenste wissenschaftliche Zeitschrift) John Maddox: "Man sollte ihn (gemeint war der Biologe Rupert Sheldrake)4 mitsamt seinen Werken verbrennen!" Dieser Ausspruch stammt vom Ende des 20. Jahrhunderts, nicht aus dem Mittelalter!

Welches Bild des Universums ergibt sich denn ohne den Urknallmythos?

Ein sehr freundliches: Die Welt existiert seit Ewigkeiten, es gibt unendlich viele Universen, alle haben sie Zeit, sich zu entfalten. Es gibt keinen Anfang, den wir erklären, und kein Ende, das wir fürchten müssen. Überall im Weltall blüht Leben. Solche Gedanken hatte auch schon der mittelalterliche Philosoph Giordano Bruno. Der wurde dafür bekanntlich von der Kirche verbrannt.

Sie entwickeln auch Kritiken in anderen Bereichen der Physik, wie der Relativitätstheorie Einsteins und den spukhaften Deutungen der Quanten. Wie sind Sie selber darauf gekommen, dass in vielen Bereichen der Wissenschaft mit der vorherrschenden Lehrmeinung etwas nicht stimmt?

Leider nicht selbst. Die Gehirnwäsche hat auch bei mir funktioniert. Obwohl ich schon während des Studiums auf Ungereimtheiten und echte Widersprüche in den Relativitätstheorien stieß, glaubte ich, es wäre alles in Ordnung, denn die gesamte Physikergemeinde fand ja auch alles in Ordnung. Erst als die Autoren des Buchs "Requiem für die Relativität", Georg Galeczki und Peter Marquart, mir ihr Buch persönlich erklärten, fielen mir die Schuppen von den Augen.

Was können kritische Leute bzw. jeder Einzelne gegen die idealistische Beherrschung der Wissenschaften tun?

Das hängt ganz von den Möglichkeiten des Einzelnen ab. Grundsätzlich gilt: Jeder kann was tun. Als Journalist bin ich in der glücklichen Lage, in unserem Heft bzw. auf unserer Internetseite immer wieder auf die Unsinnigkeiten und Unstimmigkeiten der modernen Physik hinweisen zu können. Doch auch der Laie kann einiges unternehmen. Jeder kennt Einstein, also kann man das Gespräch auf ihn bringen und auf die Unsinnigkeiten seiner Thesen hinweisen bzw. auf Schriften, wo diese Unstimmigkeiten ausführlich behandelt werden. Von innen heraus ist das System sehr schwer zu beeinflussen. Doch ein mutiger Student kann seine Professoren ebenfalls um Diskussionen bitten oder sich mit Gleichgesinnten zusammenschließen und Gespräche initiieren. Kurzum: Es geht um Aufklärung, und das ist eine harte, mühsame, frustrierende, aber letztlich erfolgreiche Prozedur.

Sie setzen sich als Journalist auch gegen den Irak-Krieg ein. Worin sehen Sie die wesentlichen Ursachen dieses Krieges und wie können Sie als Journalist zum Widerstand dagegen beitragen?

Der zweite Krieg der USA gegen den Irak steht in einer langen Reihe von Wirtschaftskriegen, die die USA gegen kleine und große Länder auf Grund ihrer wirtschaftlichen Interessen geführt haben. Das erste Land auf der neuen Landkarte der Amerikaner war Afghanistan und der Anschlag vom 11.9. kam den Amerikanern sehr gelegen, wobei inzwischen zahlreiche Autoren meinen, die Amerikaner hätten davon gewusst und die eigenen Toten in Kauf genommen, damit sie nachher einen guten Vorwand haben. Nr.2 ist der Irak, Nr.3 wird der Iran, dann kommen die an Russland angrenzenden Länder (sofern sie sich nicht kaufen lassen), schließlich die China benachbarten Länder, zum Beispiel Nordkorea. Jeder aufgeschlossene Mensch sollte auf die Schrecken und die Unmoral dieses Krieges hinweisen (es handelt sich um eindeutigen Völkermord) und sich kundig machen, was wirklich dahintersteckt. Siehe dazu auch unsere Wissenschaftsmeldung zu den Hintergründen des Anschlages vom 11. September auf das World Trade Center.5

Was man als Journalist tun kann? Ich kann mit anderen darüber reden (und jeder redet gern darüber) und auf Unstimmigkeiten in der Politik hinweisen bzw. auf Schriften, die die Hintergründe beleuchten und die Welt aus einer anderen Sicht als der offiziellen zeigen.

Herr Ripota, vielen Dank für das Interview!

Angaben und Erläuterungen zum Text

1 Willi Dickhut, Materialistische Dialektik und bürgerliche Naturwissenschaft, Verlag Neuer Weg, Essen 1987

2 Der Energieerhaltungssatz (auch Energiesatz) besagt, dass Energie nicht vernichtet, sondern nur von einer in eine andere Form umgewandelt werden kann.

3 Dem "inflationären Weltall" zufolge hat das Weltall in seiner frühen Form mit zunehmender Geschwindigkeit expandiert.

4 Rupert Sheldrake (geb. 1942), Philosoph und Biochemiker der Universität Cambridge. Vertritt unter anderem, dass die Natur ein kollektives Lernen und Gedächtnis hat.

5 www.pm-magazin.de/de/wissensnews/wn_id506.htm




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